Berufswahl in der Mittelstufe

In der Mittelstufe müssen Sie sich entscheiden: Wollen Sie nach der 10. Klasse eine Berufsausbildung absolvieren oder lieber Ihre Schulzeit bis zum Erwerb der Hochschulreife fortsetzen?

Berufswahl

„Hauptsache, ein sicherer Arbeitsplatz und ein gutes Einkommen!“ Das klingt irgendwie einleuchtend, aber was nützt es, wenn die Arbeit Ihnen auf Dauer nicht liegt, wenn Sie unter- oder überfordert sind und das Ganze schnell keinen Spaß mehr macht? Damit Sie Ihre Berufswahl nicht früher oder später bereuen, versuchen Sie besser, vorher herauszufinden, welche Art von Arbeit zu Ihren Wünschen und Fähigkeiten passt. Welche Schulfächer liegen Ihnen besonders? Warum? Bei welchen Tätigkeiten werden Sie nie müde? Was fällt Ihnen leicht? Lösen Sie gern knifflige Aufgaben oder experimentieren konzentriert im Labor? Sitzen Sie am liebsten in Ruhe am Computer oder ziehen Sie es vor, mit Menschen zu arbeiten? Auf einen Beruf sollten Sie sich erst festlegen, wenn Sie alle Möglichkeiten kennen. Interessante Anregungen gerade für Schülerinnen und Schüler gibt es beispielsweise auf den bundesweiten Aktionsveranstaltungen Girls’ Day und Boys' Day oder bei der alljährlichen Langen Nacht der Wissenschaften in Berlin und Potsdam (siehe Ausgewählte Links).

Möglichkeiten mit mittlerem Schulabschluss

Mit einem mittleren Schulabschluss können Sie sich für eine betriebliche oder für eine schulische Berufsausbildung bewerben. Es gibt allein über 300 staatliche anerkannte Ausbildungsberufe, die Sie im Internet erkunden können (siehe Links). Die bekanntesten Ausbildungen sind zwar meist überlaufen, aber für viele andere Berufe wird Hände ringend Nachwuchs gesucht. Natürlich sind Sie mit einer Ausbildung nicht für immer auf einen einzigen Beruf festgelegt: Wenn Sie sich höher oder anders qualifizieren wollen, stehen Ihnen Weiterbildungsmöglichkeiten offen. Waren Sie nach der Ausbildung eine Zeit lang erwerbstätig, können Sie sich sogar für ein Studium bewerben (Studium ohne Abitur) oder aber die Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg nachholen. Allerdings kostet es oft mehr Überwindung, sich aus dem Beruf heraus wieder auf die Schulbank zu setzen, als diese praktischerweise von vornherein länger zu drücken.

Möglichkeiten mit Hochschulreife

Verlassen Sie die Schule mit der allgemeinen Hochschulreife, einer fachgebundenen Hochschulreife oder mit der Fachhochschulreife, haben Sie mehr Auswahl als mit einem mittleren Schulabschluss: Sie können entweder gleich ein Studium aufnehmen oder erst eine betriebliche oder schulische Berufsausbildung absolvieren und danach entscheiden, ob Sie noch studieren wollen.

Argumente für eine Berufsausbildung

Mit einer betrieblichen oder schulischen Berufsausbildung kommen Sie sofort in der Berufspraxis an. Zwar lernen Sie auch Theorie, aber Sie erproben sich hauptsächlich in Tätigkeiten, die Ihr Beruf erfordert. Am Ende der Ausbildung bekommen Sie ein Abschlusszeugnis, mit dem Sie sich auf entsprechende Stellen bewerben können, falls Ihr Ausbildungsbetrieb Sie nicht gleich übernimmt. Sie verdienen auf diese Weise meist schon nach zwei oder drei Jahren Ihr eigenes Geld und sind finanziell unabhängig. Außerdem bekommen Sie während der betrieblichen Ausbildung eine Ausbildungsvergütung. Bei schulischen Berufsausbildungen (Fachschule) gilt das allerdings nur für bestimmte Berufe.

Argumente für ein Studium

Allgemein gilt: je höher die Qualifikation, desto besser die Karrierechancen. Weil Studierende lernen, sich unterschiedliche fachliche Inhalte selbständig zu erarbeiten und sich damit wissenschaftlich auseinanderzusetzen, können sie sich später in unterschiedliche Tätigkeitsfelder einarbeiten, dort Probleme analysieren, lösen und sich beruflich je nach Anspruch und Erfordernissen flexibel weiterentwickeln. Im besten Fall ermöglicht ein Hochschulabschluss den Zugang zu Berufen, die nicht nur eine höhere Qualifikation voraussetzen, sondern auch Aufstiegschancen eröffnen und ein hohes Einkommen versprechen.

Duales Studium: Studium mit Berufsausbildung

Duale Studiengänge kombinieren Studium und Berufsausbildung, wobei das Studium an einer Hochschule (oder Berufsakademie) und die Berufsausbildung meist in einem Betrieb/Unternehmen stattfindet, aber auch den Charakter eines Praktikums haben kann. Die Berufsausbildung führt in der Regel zum Abschluss eines anerkannten Ausbildungsberufs, der neben dem Studium und zusätzlich zum Studienabschluss erworben wird. Meist zahlt der Ausbildungsbetrieb in solchen Fällen den studierenden Azubis über die gesamte Dauer des dualen Studiums eine Ausbildungsvergütung. In Berlin und Brandenburg ist die Aufnahme eines dualen Studiums nur an Fachhochschulen (und an der Potsdamer Berufsakademie), nicht aber an Universitäten möglich. Der größte Anbieter dualer Studiengänge in der Region ist die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (siehe Ausgewählte Links).

Informationen und Beratung

Im Internet finden Sie zahlreiche Webseiten zum Thema Berufswahl. Nicht alle bieten korrekte, aktuelle und interessenunabhängige Informationen. Empfehlenswert und verlässlich sind vor allem die Angebote der Bundesagentur für Arbeit und anderer öffentlicher Einrichtungen (siehe Ausgewählte Links).

Ausgewählte Links

Berufs- und Studienwahl: Entscheidungshilfen (Bundesagentur für Arbeit und Kultusministerkonferenz)
Ausbildung oder Studium (Informationsseiten der Bundesagentur für Arbeit)
Zukunftsplaner Studium - Ausbildung - Beruf (Bundesagentur für Arbeit Berlin-Brandenburg, aktuelle Ausgabe; PDF, 15 MB)
Berufsinformationen - BERUFENET (Bundesagentur für Arbeit)
Ausbildungsberufe (Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB)
Duales Studium als Erstausbildung (Studis Online)
Informationen zum dualen Studium (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin)
Lange Nacht der Wissenschaften (Berliner und Brandenburger Wissenschaftseinrichtungen)
Girls' Day (Bundesministerien, EU u. a.)
Boys' Day (Bundesministerien, EU u. a.)
ArbeiterKind.de (Initiative zur Förderung des Hochschulstudiums von Nichtakademikerkindern)

Wissenschaftliches zum Thema

Bildung lohnt sich ein Leben lang (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, Januar 2014, PDF, 750 KB)
Bildungsentscheidungen im nachschulischen Verlauf (3. DZHW-Befragung Studienberechtigter, November 2014, PDF, 3,53 MB)